Sag nicht wer du bist - Xavier Dolan (2013)

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jogiwan
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Sag nicht wer du bist - Xavier Dolan (2013)

Beitrag von jogiwan »

Sag nicht wer du bist!

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Originaltitel: Tom á la ferme

Alternativtitel: Tom at the Farm

Herstellungsland: Kananda, Frankreich / 2013

Regie: Xavier Dolan

Darsteller:innen: Xavier Dolan, Pierre-Yves Cardinal, Lise Roy, Evelyne Brochu, Manuel Tadros

Story:

Tom ist aufs Land zu einem Landwirtschaftsbetrieb gekommen, um an der Beerdigung von Guillaume beizuwohnen und ein paar Worte zu sagen. Doch der Marketing-Mann mit den blonden Locken ist nicht der vermeintlich beste Freund des Verstorbenen, sondern war dessen Partner und ist selbst voller Trauer. Von dieser Beziehung weiß jedoch nur der Bruder Francis, der Tom unmissverständlich und mit Androhung von Gewalt klar macht, dass vor der vermeintlich labilen Mutter das Bild des heterosexuellen Bruders unbedingt aufrechterhalten werden muss. Der zunächst eingeschüchterte Tom lässt sich ein auf ein Spiel zwischen Lügen, Unterwürfigkeit und der männlichen Dominanz von Francis, die ihn auch an den verstorbenen Guillaume erinnert. Als er Sarah auf die Farm einlädt, die sich als Freundin des Verstorbenen ausgibt und ebenfalls von Francis bedrängt wird, steuert alles einem dramatischen Höhepunkt entgegen, an dem auch unschöne und verdrängte Wahrheiten ans Licht kommen.
it´s fun to stay at the YMCA!!!



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jogiwan
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Re: Sag nicht wer du bist - Xavier Dolan (2013)

Beitrag von jogiwan »

Xavier Dolan, Kritiker-Liebling und Ex-Regie-Wunderkind mit seinem doppelbödigen und als Thriller aufgezogenes Werk über Trauer, verdrängte Sexualität, toxische Männlichkeit, der Lust am Leiden und sonstige Lebenslügen auf einer kanadischen Landwirtschaft, welches Noir-artig und dicht erzählt wird. Als Zuschauer weiß man ja zunächst recht wenig und die Ankunft des jungen Mannes aus der Stadt anlässlich eines Begräbnisses, ist der Beginn einer unberechenbaren Geschichte unterschiedlicher Charaktere, die ebenfalls stets sehr ambivalent bleiben. Tom wird von dem Bruder des Toten körperlich bedroht und fühlt sich trotz aller „red flags“ von ihm angezogen. Auch das Verhalten des Bruders passt nicht so wirklich zu dem Bild, das dieser von sich vermitteln möchte und was wer genau über den anderen weiß, bleibt überwiegend im Dunkeln. Dennoch entwickelt „Sag nicht wer du bist“ teils eine sehr intensive Wirkung und zieht auch gemütlich die Spannungsschraube an, wobei der Film mit seiner passiv-aggressiven Grundstimmung stets unberechenbar bleibt und man schon unterbewusst weiß, dass die ganze Charade nicht gut ausgehen kann. Aber auch hier bleibt Dolan seiner Filmografie treu und verzichtet auf ein plakatives Ende, dass dem Streifen auch nur geschadet hätte. So bleibt ein interessantes, teils sehr dicht und vielschichtig erzählten Werk, dass wieder einmal dezent alle etwaigen Genre-Schubladen und übliche Erwartungen hinter sich lässt.
it´s fun to stay at the YMCA!!!



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