Trauma - Das Böse verlangt Loyalität - Lucio A. Rojas (2017)

Moderator: jogiwan

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jogiwan
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Trauma - Das Böse verlangt Loyalität - Lucio A. Rojas (2017)

Beitrag von jogiwan »

Trauma - Das Böse verlangt Loyalität

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Originaltitel: Trauma

Herstellungsland: Chile / 2017

Regie: Lucio A. Rojas

Darsteller: Catalina Martin, Macarena Carrere, Ximena del Solar, Dominga Bofill

Story:

Vier junge Frauen aus Santiago de Chile fahren für zwei Tage aufs Land um dort im Haus ein paar nette Tage zu verbringen. Doch schon der erste Abend wird zum Alptraum, als auf einmal zwei Männer aus der Umgebung ins Haus eindringen, zwei Frauen auf brutalste Weise vergewaltigen und eine von ihnen ermorden. Am nächsten Tag gelingt es zwar die örtliche Polizei zu informieren, doch die identifiziert die Männer als gewaltbereite Vater und Sohn, die wenig später auch vor nichts zurückschrecken und in einer nahen Bar ein weiteres Massaker veranstalten. Als diese auch noch ein junges Mädchen entführen und keine rasche Hilfe zu erwarten ist, beschließen die verbliebenen Frauen das Mädchen aus der Gewalt der Männer zu befreien und Rache an den Peinigern zu nehmen.
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jogiwan
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Re: Trauma - Das Böse verlangt Loyalität - Lucio A. Rojas (2017)

Beitrag von jogiwan »

„Trauma“ ist ja der "neueste" Skandalfilm, der vor nichts zurückschreckt und sich scheinbar mühelos in die Reihe von kontroversen Schockern wie „A Serbian Film“ und „Martyrs“ einfügt und dementsprechend polarisiert. Technisch ist der chilenische Film auch ganz passabel gemacht, aber inhaltlich ist die ganze Sache auf Dauer doch etwas ermüdend und die heftigen Szenen wirken angesichts der fragwürdigen Entwicklungen und seltsamen Figurenzeichnung doch etwas zu offensichtlich auf Krawall gebürstet. Hier ist es ja die Zeit der Militärdiktatur unter Pinochet, die in Rückblenden als Aufhänger für einen Rape’n Revenge-Streifen der härteren Gangart herhalten muss. Doch wo „A Serbian Film“ eine künstlerische und zugegeben sehr herbe Auseinandersetzung mit der politischen Vergangenheit eines Landes ist, da ist der auf wahren Begebenheiten basierende und chilenische „Trauma“ doch nur ein recht durchschaubarer Schocker, der alles versammelt, was an kontroversen Themen noch als zeig- und zumutbar gelten um dann die Grenzen dessen neu auszuloten. Die Liste an Geschmacklosigkeiten ist hier auch sehr lange und vor allem die sexuelle Gewalt und Folter an Frauen machen von Beginn an klar, dass dieser Film hier definitiv nichts für schwache Gemüter ist. Doch mit fortschreitenter Laufzeit und jeden weiteren Tabubruch wird „Trauma“ zunehmend unglaubwürdiger und verliert sich gegen Ende in einem völlig fragwürdigen Handlungsverlauf, der nur dazu dient, dem Zuschauer eins vor dem Latz zu knallen und dementsprechende Reaktionen zu provozieren. Wer mag kann hier inhaltlich gerne mehr herauslesen, als es mir vergönnt war, aber vermutlich bin ich einfach schon zu "geeicht" für derartige Provokationen, die wohl nur dazu gemacht werden, seinem Macher und kostengünstigen Produkt einen Moment der Aufmerksamkeit zu bescheren.

PS: die Ami-Blu-Ray-Disc aus dem Hause Artsploitation ist "codefree" und präsentiert den Streifen im "Unrated Directors Cut" bzw. spanischen Original mit englischen Untertiteln.
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Blap
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Re: Trauma - Das Böse verlangt Loyalität - Lucio A. Rojas (2017)

Beitrag von Blap »

Ich wollte mir das Teil "eigentlich" nicht anschauen, wurde aber letztlich durchaus unangenehm gut unterhalten. Die Story hat keine Neuigkeiten zu bieten, ob man die -auf das Pinochet Regime bezogenen- Rückblenden nun als kritisch oder lediglich Selbstzweck zur Rechtfertigung der gezeigten Perversionen zeigt, ich bin mir nicht sicher.

Erfreulich die durchaus solide Inszenierung, der Verzicht auf vermurkstes Color Grading, dazu solide schauspielerische Leistungen. Gern wird der "Serben Film" als Referenz bemüht, doch aus meiner Sicht hinkt dieser Vergleich ein wenig, überdies empfinde ich "Trauma" als deutlich hochwertiger in Szene gesetzt.

Sicher hätte der Film auch ohne seine zwei, drei arg heftigen Entgleisungen funktioniert. So bleibt mir der Streifen als unterhaltsam und gleichzeitig unbequem in Erinnerung. Seltene Kombination.

Anders gut! 7/10
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jogiwan
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Re: Trauma - Das Böse verlangt Loyalität - Lucio A. Rojas (2017)

Beitrag von jogiwan »

Ab Oktober 2019 dann auch in Deutsch von Illusions Unltd.
Am 15.10.2019 erscheint TRAUMA - DAS BÖSE VERLANGT LOYALITÄT in seiner UNCUT Version im limitierten und nummerierten MediaBook! Die FSK18 Version musste um satte 12 Minuten und 39 Sekunden geschnitten werden.
Bild

quelle: illusions unltd/facebook

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;)
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jogiwan
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Re: Trauma - Das Böse verlangt Loyalität - Lucio A. Rojas (2017)

Beitrag von jogiwan »

demnächst in neuen und Zielgruppen-orientierten Mediabook-Cover-Varianten... ;) das Posten der Bilder spare ich mir in diesem Fall aber einfach... wer will kann ja hier einen Blick auf Schnittberichte wagen. Mir fällt dazu echt nichts mehr ein :roll:

https://www.schnittberichte.com/ticker.php?ID=6887
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Re: Trauma - Das Böse verlangt Loyalität - Lucio A. Rojas (2017)

Beitrag von buxtebrawler »

jogiwan hat geschrieben:demnächst in neuen und Zielgruppen-orientierten Mediabook-Cover-Varianten... ;) das Posten der Bilder spare ich mir in diesem Fall aber einfach... wer will kann ja hier einen Blick auf Schnittberichte wagen. Mir fällt dazu echt nichts mehr ein :roll:

https://www.schnittberichte.com/ticker.php?ID=6887
Du liebe Güte :lol:
Aber immerhin gut gezeichnet...
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
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Blap
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Re: Trauma - Das Böse verlangt Loyalität - Lucio A. Rojas (2017)

Beitrag von Blap »

jogiwan hat geschrieben:demnächst in neuen und Zielgruppen-orientierten Mediabook-Cover-Varianten... ;) das Posten der Bilder spare ich mir in diesem Fall aber einfach... wer will kann ja hier einen Blick auf Schnittberichte wagen. Mir fällt dazu echt nichts mehr ein :roll:

https://www.schnittberichte.com/ticker.php?ID=6887
Was für eine Beutelschneiderei ... :lol:

... dazu noch völlig am Stil und der Atmosphäre des Films vorbei gezeichnet, zweitklassige Comic-Sülze. :kicher:
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Reinifilm
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Re: Trauma - Das Böse verlangt Loyalität - Lucio A. Rojas (2017)

Beitrag von Reinifilm »

*prust*... das nenne ich mal zielgruppenorientiert. :mrgreen:
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Arkadin
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Re: Trauma - Das Böse verlangt Loyalität - Lucio A. Rojas (2017)

Beitrag von Arkadin »

Boah, ist das sch****
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Salvatore Baccaro
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Re: Trauma - Das Böse verlangt Loyalität - Lucio A. Rojas (2017)

Beitrag von Salvatore Baccaro »

Eigentlich dachte ich ja, dass ich aus dem Alter heraus sein sollte, in dem mich vollmundige Ankündigungen, bei einem bestimmten Film würde es sich um einen der extremsten seiner Machart handeln, dazu veranlassen, mir selibgen mit der Erwartungshaltung, bis in die Grundfesten erschüttert zu werden, anzuschauen. Scheinbar ist das ein Irrglaube gewesen, denn gestern wanderte mir doch tatsächlich der chilenische Schocker TRAUMA von den Augen in den Kopf, ein Werk, angeblich mindestens so schlimm wie Srdjan Spasojevićs SRPSKI FILM und Pascal Laugiers MARTYRS zusammengenommen!

MARTYRS mag ich ja ganz gerne, weil man zumindest über die zweite Hälfte des Films relativ problemlos die Transgressions-Theorien des französischen Philosophen Georges Bataille stülpen kann, (auf den Laugier in einer Szene auch überdeutlich anspielt), und SRPSKI FILM ist mir als glänzende Satire in Erinnerung, deren Entgleisungen ich immer in einem augenzwinkernden Kontext verortet habe. Beide Lorbeeren kann ich TRAUMA nicht auf sein schmutziges, selbstzweckhaftes Haupt setzen: Nein, im Ernst, ich habe gar keine Lust, mich länger mit diesem in jedweder Hinsicht belanglosen, uninspirierten, unterdurchschnittlichen Machwerk aufzuhalten, das zwar halbwegs kompetent, (sprich: konventionell), in Szene gesetzt sein mag, ansonsten aber in Kategorien wie Schauspielführung, Charakterentwicklung, Dramaturgie, innere Logik, Spannung und, ja, sogar shock appeal bei mir komplett durchfällt.

Mal abgesehen davon, dass Herr Rojas, meiner Meinung nach, die blutige Vergangenheit seines Heimatlandes (Stichwort: Pinochet) ausbeutet, um einer wahren Schlachtplatte ein alibihaftes, pseudo-politisches Mäntelchen umzuhängen, funktioniert TRAUMA für mich nicht mal nach herkömmlichen Genre-Standards besonders geschmiert, was vor allem an dem nun wirklich hanebüchenen Plot und dem völlig ohne Fokus auskommenden Drehbuch liegt: Weshalb der Film sein erstes Drittel dafür verplempert, uns tief hineinzustopfen in die zwischenmenschlichen Verwicklungen promiskuitiver Lesben, mag noch damit zu erklären sein, dass Rojas uns mehrmals hübsche Frauen beim Zungenküssen, Beischlafen und Strippen zeigen wollte. Wieso jedoch drei junge Frauen, die soeben auf brutalste Weise vergewaltigt und missbraucht worden sind, sich kurzerhand beschließen, mit nur einem (!) bübchenhaften Polizisten ins Feld gegen zwei verrohte Männer zu ziehen, von denen sie wissen, dass sie es problemlos mit vier bewaffneten Beamten aufnehmen können, um aus deren Fängen ein kleines Mädchen zu befreien, halte ich persönlich für die realitätsfernste Story-Volte, die mir seit langem untergekommen ist, - was freilich nicht weiter schlimm wäre, wenn TRAUMA sich mir nicht andauernd als durchaus Realitätsanspruch erhebenden Streifen - ("Diese Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit!) - verkaufen wollen würde. Aber, mal ehrlich: In keinem mir bekannten Universum würden es unsere drei Heldinnen, (die übrigens ungefähr die Ausdruckskraft von Schaufensterpuppen besitzen), diesen Film bis zur 60-Minuten-Marke erleben.

Dass die deutsche Fassung um satte 12 (!) Minuten gekürzt sein soll, verwundert mich zwar nicht, andererseits versammelt Rojas nun aber - vielleicht abzüglich der Prolog-Sequenz - in seinem konfusen Reigen nicht wirklich Perversionen, die man nicht woanders schon härter und vor allem eindringlicher zu Gesicht bekommen hätte. Ich habe es gestern Jogi schon gesagt: Jeder einzelne Film von Michael Haneke bereitet mir mehr schlaflose Nächte als der plakative Presslufthammer, mit dem TRAUMA mir die Nerven bearbeiten möchte. (Ja, selbst CODE INCONNU oder DAS SCHLOSS!) Andererseits, genau das hat er allerdings dann doch, wenn auch auf andere als intendierte Weise, getan: Meine Nerven nämlich lagen nach spätestens einer Stunde derart im Tiefschlaf, dass ich ernsthaft überlegte, mir das Finale erst heute anzusehen, und dafür früher in die wohlverdiente Nachtruhe zu schlüpfen, puh!
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