V/H/S: Viral - Diverse Regisseure (2014)

Moderator: jogiwan

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horror1966
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V/H/S: Viral - Diverse Regisseure (2014)

Beitrag von horror1966 »

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V/H/S: Viral
(V/H/S: Viral)
mit Emmy Argo, Justin Welborn, Emilia Ares Zoryan, Garrett Bales, Gregg Bishop, Greyson Chadwick, Nick Blanco, Temple Hull, Jeanine Harrington, Laura Eschmann, Niousha Khosrowyar, Michael Aaron Milligan
Regie: Justin Benson / Gregg Bishop / Aaron Moorhead / u.A.
Drehbuch: Justin Benson / Gregg Bishop / Todd Lincoln / u.A.
Kamera: Harris Charalambous / Jon D. Domínguez / u.A.
Musik: Joseph Bishara / Kristopher Carter
FSK 16
USA / 2014

In Los Angeles liefert sich die Polizei eine rasante Verfolgungsjagd mit einem Eiswagen, die für viel Aufsehen sorgt. Etliche Jugendliche säumen die Straßen und filmen mit Videokameras und Handys das Geschehen, um durch spektakuläre Aufnahmen vielleicht den nächsten viralen Video-Hit einzufangen. Doch die sensationslüsternen Jugendlichen ahnen nicht, dass hinter der Verfolgung weit mehr steckt und sie unwissend in tödliche Ereignisse hineingezogen werden, die sie selber auf makabere Weise zum nächsten viralen Clip machen ...

"Vicious Circle": Kevin ist begeistert von seinem neuen Bildaufnahmegerät. Als draußen eine Verfolgungsjagd ihren Lauf nimmt, hängt sich Kevin dran. "Dante the Great": Ein Bühnenmagier entdeckt das schaurige Geheimnis des Capes von Harry Houdini. "Parallel Monsters": Alfonso findet eine Tür in eine andere Dimension. Dort trifft er sein Ebenbild, und man beschließt, mal kurz die Welt zu tauschen. "Bonestorm": Eine Gruppe junger Skatepunks stolpert in den Kanälen von Los Angeles über eine satanistische Kultstätte.



Im Gegensatz zu den beiden Vorgängern fällt der letzte Teil der "V/H/S Trilogie" mit lediglich drei Episoden und einer Laufzeit von gerade einmal knapp 77 Minuten relativ kurz aus, zudem scheint der Film bisher bei den meisten Leuten nicht ganz so gut anzukommen. Das mag wohl hauptsächlich in der 16er Freigabe begründet sein, denn diese deutet schon eindeutig darauf hin, das man dieses Mal im Bezug auf die visuelle Härte ein wenig auf die Bremse getreten hat. So ist es dann auch nicht wirklich überraschend das blutige Passagen in einem recht überschaubaren Rahmen vorhanden sind, was in meinen Augen jedoch keinesfalls ein Grund ist, den letzten Teil der Trilogie teilweise regelrecht zu zerreißen. Die jeweiligen Episoden sind nämlich wirklich gut gelungen und beinhalten alle auch einen sehr konstanten Spannungsbogen. Eingebettet ist das Ganze wie immer in eine eher dünne Rahmenhandlung, die in vorliegenden Fall ein wenig hektisch geraten ist und phasenweise für leichte Irritierungen sorgen kann. Dadurch erscheint das Szenario eventuell nicht ganz so stimmig wie in den beiden ersten Teilen, wobei dies selbstverständlich wie immer im Auge des Betrachters liegt.

Wurde zuvor durch diverse ziemlich harte Episoden um die Gunst des Zuschauers gebuhlt, so haben die Regisseure hier mehr Wert auf Mystery Elemente, ein wenig SCI/FI und diverse bizarre Momente gesetzt, was insgesamt gesehen eine äußerst gelungene Mixtur ergibt, an der man durchgehend seine Freude haben kann. Gleichzeitig hinterlassen alle drei Folgen einen atmosphärisch dichten Eindruck und sorgen auch gelegentlich für eine gepflegte Gänsehaut beim Betrachter. Lediglich die Rahmenhandlung hat mir persönlich nicht so gut gefallen wie in den beiden Vorgängern, hier gibt es zu viele hektische Schnitte, die dem Gesamtbild ein wenig abträglich sind. Dennoch kann man sich insgesamt gesehen wirklich nicht beschweren, denn "V/H/S: Viral" präsentiert im Prinzip genau die Dinge, die diese Reihe von Beginn an so ausgezeichnet hat. Der übliche Found Footage Look ist wie immer das Markenzeichen und auch ansonsten sind sämtliche Zutaten vorhanden, um den Fans der Trilogie genau das zu bieten was man von ihr gewohnt ist.

Warum also erntet der dritte Teil bisher eher sehr negative Kritiken? Manch einer hat bestimmt ein weitaus blutigeres Spektakel erwartet und in dieser Beziehung ist "V/H/S: Viral" dann auch der schwächste Film der Reihe, doch sollte man sein Hauptaugenmerk nicht ausschließlich auf den vorhandenen Härtegrad legen, da die Chose ansonsten wirklich zu überzeugen weiß. So bekommt man in der ersten Folge "Dante the Great" herrliche Mystery Elemente geboten, in "Parallel Monsters" offenbart das SCI/FI Genre diverse gruselige und bizarre Momente und in der abschließenden Episode "Bonestorm" schimmert der rituelle Horror durch, was zusammen genommen doch eine abswechslungsreiche und gelungene Kombination ergibt, die viel besser in Szene gesetzt wurde als manche im Netz umher schwirrende Kritik es vermuten lässt. Nun werden aber auch des Öfteren eine angeblich schlechte Synchronisation, dumme Dialoge und vor allem schlecht agierende Schauspieler bemängelt, doch alle drei Kritikpunkte konnte ich ehrlich gesagt nicht entdecken.

Schon in den voran gegangenen Teilen war kein oscarreifes Schauspiel vorhanden und für so etwas sind Filme dieser Art auch sicherlich nicht ausgelegt. Die Dialoge sind dem jeweiligen Geschehen entsprechend durchaus angebracht und die deutsche Synchro ist vollkommen in Ordnung. Viel eher sollte manch einer eventuell einmal die eigenen Erwartungen überprüfen, mit denen er an einen Film wie "V/H/S: Viral" heran geht, da diese eventuell in eine vollkommen falsche Richtung abzielen. Gerade im Bereich des Found Footage gibt es wirklich etliche Rohrkrepierer, die aber komischerweise von vielen Leuten geradezu in den Himmel gehoben werden, im Gegensatz dazu bietet die "V/H/S" Reihe geradezu erstklassige Filmkost. Und auch der vorliegende Film ist insgesamt gesehen bis auf kleinere Mankos absolut gelungen, so das die vielen negativen Bewertungen kaum logisch nachvollziehbar erscheinen. In welcher Reihenfolge sich die einzelnen Filme bei einem persönlich ansiedeln steht dabei auf einem vollkommen anderen Blatt, doch "V/H/S: Viral" ist meiner Meinung nach der gelungene Abschluss einer Horror Anthologie, die dem geneigten Genre Fan den Horror gut näher gebracht hat und dabei auch jede Menge Abwechslung bietet. Am besten macht sich aber ein jeder selbst ein Bild davon und gibt diesem Werk eine faire Chance die es definitiv verdient hat. Wer Teil 1 & 2 mochte, dürfte auch hier auf seine Kosten kommen und wird es sicherlich auch verschmerzen können, das dieses Mal nicht so hart und blutig zur Sache gegangen wird wie zuvor.


Fazit:


Geschmäcker sind nun einmal verschieden, jedoch sollte man bei einer Bewertung nicht jegliche Objektivität zur Seite schieben und einen Film grundlos schlecht reden. Sicher handelt es sich hier um kein Meisterwerk und eventuell ist "V/H/S: Viral" je nach Sichtweise auch der schwächste Teil der Reihe, doch ehrlich gesagt bekommt man genau das serviert was schon zuvor geboten wurde, nämlich gut inszenierte Kurzfilme in denen es stimmig und atmosphärisch zur Sache geht.


7/10
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Tomaso Montanaro
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Re: V/H/S: Viral - Diverse Regisseure (2014)

Beitrag von Tomaso Montanaro »

Hier wird wieder einmal das Stilmittel des "Found Footage" bemüht (oder besser: missbraucht), um die Unfähigkeit oder den Unwillen der Macher zu kaschieren, sich um eine gescheite Kameraarbeit zu bemühen. Da es in keiner der fünf (?) "Storys" in irgendeiner Weise um gefundenes Filmmaterial geht, verkommt das alles zur Farce.

Angereichert wurde dieser Zelluloid-Misthaufen mit Pseudo-VHS-Geflimmer, das einen schnell in den Wahnsinn treiben kann, wenn man sein qualmendes Gehirn nicht rechtzeitig mit Bier löscht.

Habe ich gerade "Zelluloid" geschrieben? Nein, es sind nur Bits und Bytes.
Die kann man schnell und einfach löschen.
Format C Doppelpunkt. Enter.

2/10 Punkten
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sergio petroni
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Re: V/H/S: Viral - Diverse Regisseure (2014)

Beitrag von sergio petroni »

Nachdem mir die ersten beiden Teile der "Serie" noch einigermaßen gemundet hatten,
fällt der zweite Aufguß bei mir leider komplett durch. Ich störe mich weniger daran,
daß das konsequente Umsetzen der found-footage-Vorgabe bei den Vorgängern hier
durchbrochen wird. Nein, es ist nicht der Stilfetischismus, der mir hier auf den Magen
schlägt.
Es sind vielmehr die komplett uninteressanten (bis auf vielleicht eine Ausnahme)
Stories samt der nahezu kindischen bzw. naiven Erzählweise sowie der komplett
spannungsfreien Umsetzung.
Dieses Genrewerk ist leider kein Ruhmesblatt für die beteiligten Regisseure.
3/10
DrDjangoMD hat geschrieben:„Wohl steht das Haus gezimmert und gefügt, doch ach – es wankt der Grund auf dem wir bauten.“
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supervillain
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Re: V/H/S: Viral - Diverse Regisseure (2014)

Beitrag von supervillain »

Ich glaube den lasse ich an mir vorbeiziehen, außer Netflix setzt ihn mir vor die Nase.

Schau dir lieber "ABC of Death" an, ich finde beide Teile richtig gut. Will aber nicht haftbar gemacht werden, der hat nämlich auch viele "Hater". ;)

Wer interessiert ist, kann sich auf Youtube manche Buchstaben ansehen. Bei gefallen würde ich mir das ABC aber am Stück ansehen.
Beispiele vom ersten Teil: Q is for Orgasm von Bruno Forzani & Helene Cattet (Amer), U is for Unearthed von Ben Wheatly (Kill List), X is for XXL von Xavier Gens(Frontiers), W is for WTF von Jon Schnepp (Aqua Teen Hunger Force), Y is for Youngbuck von Jason Eisener (Hobo with a Shotgun) + viele weitere erfrischende Kurzfilme, die asiatischen Beiträge sind auch richtig stark. Da kann man auch einige Rohrkrepierer ertragen (z.B. M von Ti West oder G von Andrew Traucki)

Beim zweiten Teil empfehle ich nur mal zwei, von denen ich weiß, dass sie in Youtube zu finden sind. D is for Deloused und Z is for Zygote. Wenn das nichts ist weiß ich auch nicht mehr weiter. ;)

Sorry fürs Off-Topic, bin schon fertig.
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Die Kroete
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Re: V/H/S: Viral - Diverse Regisseure (2014)

Beitrag von Die Kroete »

Ich habe mir bislang nur den ersten, aus dieser Reihe angetan.

Haben die beiden Fortsetzungen inhaltlich irgendwas miteinander zu tun, oder kann man die Filme auch alle einzeln anschauen ??
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sergio petroni
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Re: V/H/S: Viral - Diverse Regisseure (2014)

Beitrag von sergio petroni »

Die Kroete hat geschrieben:Ich habe mir bislang nur den ersten, aus dieser Reihe angetan.

Haben die beiden Fortsetzungen inhaltlich irgendwas miteinander zu tun, oder kann man die Filme auch alle einzeln anschauen ??
Die Filme bauen nicht aufeinander auf, man braucht keinerlei Reihenfolge zu beachten.
Bleibt lediglich zu hoffen,
daß kein weiterer Aufguß kommt.
DrDjangoMD hat geschrieben:„Wohl steht das Haus gezimmert und gefügt, doch ach – es wankt der Grund auf dem wir bauten.“
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Arkadin
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Re: V/H/S: Viral - Diverse Regisseure (2014)

Beitrag von Arkadin »

1. Kevin ist süchtig danach, seine Freundin Iris zu filmen. Als eines Abends direkt vor seinem Haus die Polizei einen geheimnisvollen Eisverkäufer-Wagen verfolgt, sieht er seine Chance gekommen, ein YouTube-Star zu werden. Doch als er auf die Straße tritt, um die Jagd zu filmen, wird Iris von dem Wagen entführt. 2. Dante, ein erfolgloser Zauberer, kommt in den Besitz des Umhangs des Magiers Houdini, welcher über dämonische Kräfte verfügt. 3. Der Erfinder Alfonso hat im Keller seines Hauses ein Tor in eine parallele Dimension errichtet. Als es ihm gelingt dies zu öffnen, steht er seinem Doppelgänger aus der Parallelwelt gegenüber. Beide beschließen für 15 Minuten jeweils die Welt des Anderen zu erkunden. 4. Drei Skateboarder, die ihre gefährlichen Stunts filmen und ins Netz stellen, verschlägt es nach Mexiko, wo sie auf einem abgelegenen Areal durch einen dummen Zufall die Toten zum Leben erwecken.

Mittlerweile gehört das sogenannte „Found-Footage“ zu der ausgelutschtesten und auserzähltesten Filmprämisse überhaupt. Filmemacher, die mit dieser Form der pseudo-realen Filmerei etwas anzufangen wissen und ihr neue Aspekte abgewinnen, sind sehr rar gesät. Zumeist wird sich auf darauf verlassen, dass die scheinbar „echten“ Aufnahmen so stark verwackelt sind, dass filmische Unzulänglichkeiten nicht weiter auffallen. Man kann ja schließlich von einem Filmamateur, der seine neue Videokamera ausprobiert keine Kamerafahrten ala Kubrick erwarten. Oder doch? So inkompetent, wie diese Filme die Leute hinter der Kamera darstellen, führen sich in der Regel noch nicht einmal Vierjährige auf. Dies verärgert in der Regel sogar noch mehr, als der merkwürdige Hang der angeblich realen Kameramänner, das Grauen stets bis zum letzten Augenblick filmen zu wollen, anstatt sich in Sicherheit zu bringen. Doch solange die Ausrede „Found Footage“ es untalentierten Regisseuren ermöglicht, für wenig Geld ihre Machwerke runter zu kurbeln, wird das Genre wohl nicht aussterben. Es gibt aber auch immer wieder Ausnahmen von der Regel. Wenn sich z.B. kompetente Filmemacher darüber Gedanken machen, wie und warum sie „Found Footage“ einsetzen und in wie weit dieser Kniff ihre Geschichte unterstützt.

In der Horror-Anthologie „V/H/S“ hatten sich die Stars des Mumblecore – in der Definition von Wikipedia sind dies Filme mit einem kleinem bis sehr kleinem Produktionsbudget, improvisierten Dialogen, der Nutzung von Innenräumen, Auftritten von Laienschauspielern und generell einer Do-it-yourself-Ästhetik – versammelt, um gemeinsam einen kostengünstigen Horrorfilm herzustellen. Das Resultat war nicht an allen Stellen überzeugend (gerade der bekannteste Name – Ti West -lieferte das langweiligste Segment ab), aber der Film wirkte frisch und mit ebenso großen Enthusiasmus, wie Experimentierwillen gemacht. Zudem war er stellenweise kreuzunheimlich. Die Fortsetzung „S-VHS“ konnte ich bisher leider noch nicht sehen. Da sie in Deutschland nur gekürzt gezeigt werden durfte, nehme ich an, dass hier in Punkto Härte noch eine Schippe draufgelegt wurde. Die Kritiken im Netz sind überwiegend wohlgesonnen und bestätigen meine Vermutung. Gerade der zweite Teil konnte mit einigermaßen bekannten Namen aufwarten, wie Eduardo Sánchez, der einst mit „Blair Witch Project“ die ganze Lawine an billigen Nachahmern lostrat und Gareth Evans, der mit seinen ultraharten „The Raid“-Actionfilmen für Furore sorgte. Bei „V/H/S – Viral“ fehlt es an solchen Namen. Allein Nacho Vigalondo kennt man etwas besser, da er den ganz wunderbaren und leider viel zu wenig bekannten „Time Crimes“ gedreht hat und gerade sein Mystery-Thriller „Open Windows“ mit Elijah Woods auf den Markt kam.

„V/H/S – Viral“ dehnt die Vorgaben des „Found Footage“ teilweise so weit, dass man sich fragt, weshalb gerade dieses Format für die Geschichten verwendet wurde. In der Rahmenhandlung wird das Thema „gefundenes Videomaterial“ zwar aufgenommen, doch in keinen unbedingt zwingenden Zusammenhang gebracht. Da wird Videomaterial verwendet, durch das immer wieder alte „Bildreste“ durchscheinen, obwohl die Handlung mit einer Digitalkamera gefilmt wird. Aber auch dies ist nicht konsequent umgesetzt, da immer wieder aus anderen Perspektiven gefilmt wird. Von wem? Und wer hat das Material zusammengetragen und geschnitten? Vielleicht der geheimnisvolle Eisverkäufer-Wagen, der hier von allen möglichen videohungrigen und YouTube-geilen Leuten gejagt wird? Das stark an „Videodrome“ erinnerndes Ende deutet darauf hin, kommt aber nicht einmal auf Steinwurf an Cronenbergs Meisterwerk heran. Überhaupt leidet die von Marcel Sarmiento gedrehte Episode „Vicious Circles“ sehr an seiner hektischen Machart, die es dem Zuschauer über weite Strecken unmöglich macht, nachzuvollziehen, was überhaupt vor sich geht. Dadurch wird einem die Handlung egal und von Grusel oder Shock fehlt hier jede Spur. Man fühlt sich einfach nur genervt. Dass diese Rahmenhandlung weniger in die Geschichten einführt, als vielmehr eine ganz eigenständige, allerdings immer wieder durch die anderen Erzählungen unterbrochene, Geschichte darstellt, hilft auch nicht wirklich weiter.

Die zweite Geschichte, „Dante the Great“ von Gregg Bishop, um einen kleinen Zauberer, der den magischen Umhang Houdinis entdeckt und durch einen darin lebenden Dämon zu echten Zauberkräften kommt, ist nett, aber nicht mehr. Auch hier wird der „klassische“ Found Footage aufgehoben und „Dante the Great“ als Fake-Dokumentation präsentiert. Das wirkt dann alles etwas unbeholfen und gezwungen, ist aber immerhin unterhaltsam und mit Tempo inszeniert. Auch wenn man die Geschichte um den dämonischen Zauberumhang schnell vergisst, zählt sie zu den stärkeren Momenten von „V/H/S – Viral“. Die überzeugendste Arbeit liefert der Spanier Nacho Vigalondo ab, der einerseits das Found-Footage-Motiv konsequent und nachvollziehbar durchzieht, andererseits aber auch eine interessant-merkwürdige und in der Tat unangenehm gruselige Parallelwelt erschafft. Eine weitere Expedition in diese seltsame Welt könnte man sich durchaus auch in Spielfilmlänge vorstellen. Selbst wenn das Ende dann doch eher enttäuschend ausfällt und durch merkwürdig lächerliche Effekte an Wirkung einbüßt. Trotzdem ist „Parallel Monsters“ der einzige Grund, sich „V/H/S – Viral“ zuzulegen. Denn bereits die nächste Geschichte, „Bonestorm“ von Justin Benson und Aaron Moorhead, stellt den absoluten Bodensatz dieser einst so vielversprechenden Serie dar. Drei hochgradig unsympathische, zum Kotzen coole Skater-Boys gegen mexikanische Zombies, die an die „reitenden Leichen“ erinnern. Das alles so billig und ohne jegliches Gefühl für Timing und Horror abgefilmt, dass man zwangsläufig an einschlägige Amateur-Horrorfilme denken muss, deren Protagonisten oftmals ähnlich „realistische Sympathieträger“ sind, und in denen „geiler Splatter“ über einem vernünftigen Drehbuch stehen. Absolut verzichtbar.

Die auffällig kurze Laufzeit von 80 Minuten ist der Tatsache geschuldet, dass ursprünglich noch eine fünfte Episode zum Film gehören sollte: „Gorgeous Vortex“ von Todd Lincoln. In letzter Sekunde wurde diese allerdings aus den fertigen Film geworfen, da sie sich angeblich nicht ins Gesamtkonzept einfügen wollte. Da ich kein Konzept erkennen kann, denke ich aber, dass irgendwelche anderen Gründe den Ausschlag gaben. Da „V/H/S – Viral“ zur allgemeinen Überraschung eine FSK 16 bekommen hat, könnte ich mir vorstellen, dass die Produzenten in den USA die Episode auch aus Freigabe-Gründen gestrichen haben. Da ich „Gorgeous Vortex“ aber nicht kenne, bleibt dies erst einmal Spekulation. Die 2-Disc-Limited Edition, die OFDb Filmworks ebenfalls herausbracht hat, enthält die Episode als Extra und ist nicht FSK geprüft. Ob aber gerade „Gorgeous Vortex“ den Kauf des deutlich teureren Mediabooks zwingend erforderlich macht, kann ich wie gesagt nicht beurteilen.

„V/H/S – Viral“ kann leider zu keinem Moment an den ersten Teil der Serie anknüpfen. Obwohl Nacho Vigalondo eine sehr interessante Episode abgeliefert hat, von der man gerne mehr gesehen hätte, kann lediglich die Pseudo-Doku „Dante the Great“ für solide Unterhaltung sorgen. Die beiden anderen Episoden, insbesondere „Bonestorm“, können noch nicht einmal als Fingerübungen durchgehen und enttäuschen auf ganzer Linie.
Früher war mehr Lametta
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buxtebrawler
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Re: V/H/S: Viral - Diverse Regisseure (2014)

Beitrag von buxtebrawler »

Die Trilogie erscheint voraussichtlich am 14.03.2019 bei LFG als 3-Blu-ray-Box in der "VHS Retro Edition" inkl. Poster:

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Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
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