25 km/h - Markus Goller (2018)

Moderator: jogiwan

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Maulwurf
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25 km/h - Markus Goller (2018)

Beitrag von Maulwurf »

 
25 km/h
Deutschland 2018
Regie: Markus Goller
Franka Potente, Alexandra Maria Lara, Sandra Hüller, Jördis Triebel, Lars Eidinger, Jella Haase, Bjarne Mädel, Wotan Wilke Möhring, Martin Brambach, Curd Berger, Andrej Melita, Dirk Helbig


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Nach 30 Jahren treffen sich die Brüder Georg und Christian beim Begräbnis ihres Vaters in einem Kaff im Schwarzwald wieder, und eigentlich haben sie sich nichts zu sagen. Aber es sind Brüder, und Blut verbindet mindestens genauso wie Tischtennis und Schnaps. Also wird nach dem soundsovielten Match und der soundsovielten Flasche der alte Plan aus der Jugend wieder rausgeholt: Man setzt sich aufs Mofa und fährt durch Deutschland, bis man in die Ostsee pissen kann. Los, wir fahren. Du spinnst. Jetzt mach schon. Du spinnst echt. Komm schon, trau Dich. Ich fahr schon mal los …

Natürlich ist so eine Erzählung immer eine Reise ins Ich, genauso wie eine Reise zu den verpassten Chancen und Träumen. Lebe Deinen Traum heißt das Motto des Films, und so etwas kann man so oder so umsetzen. Man könnte eine schwermütige Reise durch ein verregnetes und graues Land zeigen, welche die Psyche der Protagonisten und die Leidensfähigkeit des Arthouse-gestählten Publikums gleichermaßen auslotet. Und tierisch langweilt. Markus Goller setzt auf die Komödie mit leichtem Hang zur Burleske und gelegentlichem Tiefgang, und macht damit eigentlich alles richtig. Nach dem Film möchte man sich ebenfalls auf den Weg machen, irgendwo anders hin, irgendwelche alten Träume erfüllen, Hauptsache fort von hier! 25 KM/H ist spritzig, schnell, spannend, und vor allem ungeheuer leicht. OK, die Episode in Berlin zieht sich etwas, hat ein wenig den Hang zur erwähnten germanischen Tiefgründigkeit und ist schwermütiger als es dem Film gut tut, genauso wie die Episode in Brandenburg trotz eines wie immer überragenden Wotan Wilke Möhrings etwas eigen und mit Hang zur gnadenlosen Übertreibung daherkommt.

Aber insgesamt macht der Film richtig Spaß! Ein Feelgood-Movie, der den Anspruch, dem Zuschauer einen Denkanstoß zu geben und sich gleichzeitig gut fühlen zu lassen, verdammt ernst nimmt und auch tatsächlich einlöst. Also Leute, ab aufs Mofa und die Landstraße unsicher machen. Wer weiß was morgen ist …

8/10
Was ist die Hölle? Ein Augenblick, in dem man hätte aufpassen sollen, aber es nicht getan hat. Das ist die Hölle ...
Jack Grimaldi
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sergio petroni
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Re: 25 km/h - Markus Goller (2018)

Beitrag von sergio petroni »

Danke für den Tipp, hört sich gut an!
DrDjangoMD hat geschrieben:„Wohl steht das Haus gezimmert und gefügt, doch ach – es wankt der Grund auf dem wir bauten.“
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Onkel Joe
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Re: 25 km/h - Markus Goller (2018)

Beitrag von Onkel Joe »

sergio petroni hat geschrieben: Sa 14. Mai 2022, 07:32 Danke für den Tipp, hört sich gut an!
Der ist richtig fluffig, kann ich absolut Empfehlen und die 8 von 10 würde ich auch vergeben.
Wer tanzen will, muss die Musik bezahlen!
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karlAbundzu
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Re: 25 km/h - Markus Goller (2018)

Beitrag von karlAbundzu »

Ich schrieb nach der Kinosichtung:
Altbekanntes: Mann kommt nach 15 Jahren nach Hause zur Beerdigung des Vaters, prügelt sich gleich mit seinem Bruder, verträgt sich und geht mit ihm auf Deutschlandtour auf einem Mofa. OK, letzteres ist eher neu. Aber die Konflikte, die Themen und das dramatiche, was so auftaucht, ist nicht überraschend.
Aber eben Topp besetzt: Lars Eidinger als verlorener Sohn, der in der Welt des Big Business zu Hause ist, und der daheimgebliebende Tischler, dargeboten von Bjarne Mädel. Und es wirkt, als hätten sie richtig Spaß gehabt und sie spielen wunderbar. In den einzelnen Episoden der Reise tauchen auch ander bekannte Schauspieler auf: Überraschend und fast nicht erkannt: Franka Potente, die eine hervorragende frustrierte Ehefrau gibt. Wotan Wilke Möhring macht halt den dumen Kraftmeierproll, eine Paraderolle für ihn. Unglaubwürdig in einer auch ungelungenen Episode Jella Haase als Hippie.
Zitiert werden bekannte Road- Buddy-Klassiker wie Born to be wild und Blues Brothers und Thelma und Luise auf sehr charmante Art.
Die komödiantischen Anteile sind wirklich gut und lustig, die dramatischen funktionieren nicht so recht.
Aber, wenn man mal tolle Schauspielkunst der zwei von den besten momentan sehen will, nur zu.
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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