Meine Mutter ist ein Werwolf - Michael Fischa (1989)

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Salvatore Baccaro
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Meine Mutter ist ein Werwolf - Michael Fischa (1989)

Beitrag von Salvatore Baccaro »

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Originaltitel: My Mom's a Werewolf

Produktionsland: USA 1989

Regie: Michael Fischa

Darsteller: Susan Blakely, John Saxon, Tina Caspary, John Schuck, Diana Barrows, Ruth Buzzi


Mother is having an identity crisis, verkündet das Originalposter unseres heutigen Delinquenten, und da der zugehörige Film auf den verheißungsvollen Titel MY MOM’S A WEREWOLF hört, wissen wir sogleich, dass wir diese „Identitätskrise“ wortwörtlich verstehen müssen…

Zunächst aber steckt Protagonistin Leslie erstmal in einer handfesten Ehekrise, die jedoch niemand außer ihr zu bemerken scheint: Weder Teenager-Töchterchen Jennifer noch ihr Gatte Howard, der sich lieber mit seinen Kumpels trifft, um irgendwelche Sportveranstaltungen mit literweise Dosenbier live vor dem Fernsehschirm abzufeiern, statt seinen ehelichen Pflichten nachzukommen. An Sex ist sowieso nicht zu denken, doch auch sonst scheint Howard in einem anderen Kosmos als Leslie zu leben, wo er es für eine Selbstverständlichkeit hinnimmt, dass seine Frau ihm tagtäglich warmes Essen auf den Tisch stellt, dafür aber mit keinem einzigen liebevollen Wort oder gar einer Umarmung entlohnt wird. Engster Vertrauter für die einsame Hausfrau ist daher der Familienhund, der sich wenigstens bereitwillig von ihr das Fell massieren lässt. Was für ein Schock, als Leslie beim Streicheln des Rüden auf einmal eine Herde Flöhe versteckt in seinem Pelz entdeckt!

Der Besuch in einer örtlichen Zoohandlung stellt Leslies Leben dann erst recht auf den Kopf: Denn hinter der Theke erwartet sie ein zugleich sinistrer wie verführerischer John Saxon, der ihr nicht nur das Flohhalsband umsonst gibt, sondern sie auch mit Komplimenten überhäuft, die die nach Bestätigung lechzende Leslie natürlich genau dort abholen, wo sie seit geraumer Zeit sehnsüchtig steht. Als sie den Laden verlässt, entreißt ihr ein Langfinger ihre Handtasche – und Saxon aka Harry ist sofort zur Stellte, den Dieb mit nahezu übermenschlichen Kräften zu verfolgen, dingfest zu machen und Leslie ihre Habseligkeiten zurückzugeben. Aus Dankbarkeit lädt sie Harry zum Essen ein – und es kommt zu ersten Annährungsversuchen…

Was Leslie nicht ahnt: Töchterchen Jennifer und deren beste Freundin Stacey sind ebenfalls im Restaurant anwesend und bekommen ihre Kiefer kaum noch zusammen aufgrund der Tatsache, dass Mutter sich offenbar heimlich mit einem fremden Mann trifft. Zwischen Jennifer und Stacey besteht allerdings auch eine eigenartige Verbindung: Während Stacey kein anderes Thema zu kennen scheint als klassisches Horrorkino, Jennifer auf Conventions mitschleppt, unablässig von ihren Idolen Bela Lugosi und Lon Chaney jr. schwärmt, am liebsten in Grusel-Outfits herumläuft, und ihr Taschengeld für vergilbte Comics, Filmposter oder zwielichtige Video-Ware mit (real existenten) Titeln wie BLOOD ORGY OF THE SHE-DEVILS oder (fiktiven) Titeln wie NUDIST COLONY OF THE DEAD ausgibt, wirkt Jennifer eher genervt von den Allüren ihrer Freundin – verbringt aber trotzdem den Großteil ihrer Freizeit mit ihr, weil sie offenbar sonst niemanden hat, der bereit ist, ihr Gesellschaft zu leisten. Erst kürzlich (nämlich zu Beginn vorliegenden Streifens) ist Jennifer von Stacey zu einer Wahrsagerin gezerrt worden, die, ihrem Habitus nach zu schließen, ebenfalls einmal zu oft THE WOLF MAN gesehen zu haben scheint und unseren Heldinnen die obligatorische dunkle Prophezeiung mit auf den Weg gibt: Mit zwei bösartigen Tieren würden sie es bald zu tun haben, und irgendetwas Dämonisches ihre Leben überschatten usw, usf. Bestimmt meint sie unsere Halloween-Party!, schlussfolgert Stacey, während Jennifer über das unnötig verschleuderte Geld für die Möchtegern-Hellseherin mault – eine Halloween-Party, die übrigens in wenigen Tagen im Haus von Jennifers Eltern stattfinden soll.

Bis es allerdings dazu kommt, lockt Harry Leslie ein zweites Mal in seinen Zoo-Laden, (wo unter anderem eine arme Meerkatze in einem viel zu kleinen Käfig Pirouetten dreht): Man trinkt mehrere Gläser Alkohol, (in denen Goldfische herumschwimmen!), und irgendwann ist Leslie bereit, ihren Ehering zu vergessen. Als Harry ihr allerdings einen „Toe Job“ angedeihen lässt, (anders gesagt: John Saxon beißt ihr lüstern in den Großen Zeh), bricht Leslie den Seitensprung jäh ab, - worauf der Gastgeber sie mit stechendem Lugosi-Blick (inklusive orange flirrender Iris) hypnotisiert und ihr einflüstert, sie solle ihre Begegnung fürs Erste aus ihrem Gedächtnis löschen.

Tja, und dann nimmt das Drama (oder besser: die alberne Komödie) ihren Lauf: Zunehmend stellt Leslie Veränderungen an sich fest. Ihr Appetit auf Fleisch wächst genauso wie ihre Eckzähne; der Haushund bellt sich die Kehle aus dem Leib oder nimmt winselnd Reißaus, sobald sie sich ihm nähert; an ihren Beinen sprießen die Haare, als ob sie eine Überdosis Testosteron verabreicht bekommen hätte. Während der Halloween-Party lässt sich das ja noch gut kaschieren, - Staceys und Jennifers Gäste sind völlig aus dem Häuschen über das geniale Make-Up Leslies: Wow, wir wussten gar nicht, dass Deine Mom so cool ist, Jenny! –, doch im Alltag wird es naturgemäß schwierig, die spitzen Öhrchen, den Heißhunger auf Blutwurst, die Krallenhände zu verbergen – zumal wir uns gerade in einer Vollmondphase befinden und Gatte Howard just jetzt auf die Idee kommt, die eingeschlafene Ehe aufzupolieren. Für Jennifer jedenfalls steht bald fest: Meine Mutter ist ein Werwolf!, und da kann natürlich nur Monster-Expertin Stacey helfen, dem Spuk ein Ende zu bereiten...

Puh, bei diesem Film haben mir sogenannte, hust, Freunde mal wieder einen äußerst kraftraubenden Streifen via VHS-Rip zugesandt. Im Kern wirkt diese 80er Horrorkomödie, (wobei die Emphase unbedingt auf „Komödie“ liegt – das heißt, viel eher noch auf „Klamauk“), wie eine Abfolge von mauen Gags, die zumindest in meinem Fall vielleicht zu fünf Prozent zünden. Technisch-ästhetisch kann ich keine großen Unterschiede zu zeitgenössischen Sitcoms erkennen: Wirklich alles, vom Schnitt über die Kamera bis hin zu den Kulissen, atmet die Routine einer uninspirierten Fernsehproduktion, deren Autoren mehr Wert auf die Quantität ihrer Späße denn auf deren Qualität legen. Einiges habe ich bei der Inhaltsangabe ja schon angedeutet: Mit Vorliebe suhlt sich MY MOM’S A WEREWOLF in harmlosem Slapstick, One-Linern, die niemandem wehtun, (außer den Schenkeln, die wegen ihnen möglicherweise ganz kurz geklopft werden), und lustigen Verwicklungen, die dadurch entstehen, dass Leslie ihre neuentdeckte animalische Seite vor ihrem Umfeld verheimlichen muss, (weshalb sie sich beispielweise vor ihrem Ehemann hinter Zimmerpflanzen versteckt oder wahre Beinrasur-Marathons hinlegt.) Die Grenze zum wirklich Unerträglichen überschreitet der Film allerdings glücklicherweise nur einmal: Leslies Besuch bei einem Zahnarzt, der ihr die Eckzähne fleischen soll, gehört sicher zum Fremdschaminduzierendsten, was ich seit langem sehen musste – der „Witz“ dieser Episode besteht darin, dass der mit einer Säge zu Werke gehende Dentist konsequent aus einem Winkel gefilmt wird, dass es so aussieht, als würde er Leslie sexuell zu begatten, wozu auch deren schrille Schreie, sein angestrengtes Söhnen und das Quietschen des Praxisstuhls passen. Weit entfernt vom Humor der 70er LEDERHOSEN-Film bundesdeutscher Coloeur sind wir da wirklich nicht mehr.

Zugutehalten muss man MY MOM’S A WEREWOLF jedoch ebenso, dass der Streifen wenigstens dann, wenn er dem klassischen Genrekino die Reverenz erweist, eine Handvoll, sagen wir, ganz netter Momentchen aufbietet. Gerade die Figur Stacey ist da ein Lichtblick, wenn der pausenlos quasselnde Teenager eine Anspielung auf Horrorfilme, Fanzines, Schauspieler der 30er bis 70er nach der andern raushaut. Hintersinnige Metareflexion sieht anders aus und meist bleibt’s halt wirklich bei augenzwinkerndem Name-Dropping, aber zuweilen musste ich dann doch ein bisschen schmunzeln, wenn Stacey zum Beispiel auf einer Convention das Kostüm von Claude Rains aus THE INVISIBLE MAN erspäht und unbedingt kaufen möchte – ein „Kostüm“, das natürlich aus nichts weiter als einer ordinären schwarzen Sonnenbrille und einem Hut besteht. Auch das haarsträubende Finale hat mich ein wenig mit den für meinen Geschmack dann doch zu albernen vorherigen achtzig Minuten versöhnt: Die Werwolfspelze, die Leslie und Harry tragen, wenn sie sich im entscheidenden Zweikampf gegenüberstehen, sind ja nun beim besten Willen nicht ernst zu nehmen – ohne Spaß, dagegen sieht Lon Chaney jr. in THE WOLF MAN aus wie eine Studie in Naturalismus, die man exakt so in einem biologischen Fachbuch abdrücken könnte! John Saxon als Zoohändler, der in seiner Freizeit Frauen vernascht, um mit ihnen eine neue Rasse von Werwölfen zeugen wollen, hat freilich ebenso seinen Charme wie der Hauch Mediensatire, den man in den letzten Szenen aufwirbelt, und einen kleinen Seitenhieb gen US-amerikanischer Bigotterie, wenn ein Nachbar Leslies, der sich regelmäßig Dominas bestellt, um sich von diesen auspeitschen zu lassen, die Werwölfe als speziellen Sexualfetisch missinterpretiert, (irgendwelche Rollenspiele mit Tierpelzen), und darüber angewidert die Nase rümpft. Den Blues-Country-Pop-Soundtrack (inklusive penetrantem Wolfsgeheul – Howlin‘ Wolf, oder was?) fand ich vernachlässigenswert, und Blut spritzt übrigens auch keins – weswegen mich die FSK 16 bei der deutschen DVD einigermaßen irritiert: Ohne Probleme könnte man dieses einfältige Filmchen auch Menschen ab 12 zeigen, - falls diese denn nicht bereits zu reif sind, um sich an den hier dargebotenen Torheiten zu ergötzen…

Zum Schluss meine liebste Szene: Stacey und Jennifer sitzen bei der Hellseherin. Stacey fragt, ob diese denn den Streifen BLOODY GYPSIES OF THE YUCCA FLATS gesehen habe, worauf die Wahrsagerin verneint. Jennifers Konter: "I thought you see everything!" Das dazu - und jetzt bitte wieder etwas anspruchsvollere Unterhaltung...
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CamperVan.Helsing
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Re: Meine Mutter ist ein Werwolf - Michael Fischa (1989)

Beitrag von CamperVan.Helsing »

"Nudist Colony of the dead" ist kein fiktiver Titel! :opa:

OK, OK: 1989 war er es (noch), die OFDB datiert das Werk auf 1991...
My conscience is clear

(Fred Olen Ray)
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Salvatore Baccaro
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Re: Meine Mutter ist ein Werwolf - Michael Fischa (1989)

Beitrag von Salvatore Baccaro »

ugo-piazza hat geschrieben: Di 1. Jun 2021, 21:42 "Nudist Colony of the dead" ist kein fiktiver Titel! :opa:

OK, OK: 1989 war er es (noch), die OFDB datiert das Werk auf 1991...
Auf der IMDB-Seite des Films wird das auch erwähnt: Der Drehbuchautor von MY MOM'S A WEREWOLF, Mark Pirro, hat sich offenbar von seinem eigenen Titel inspirieren lassen, zwei Jahre später einen kompletten Film namens NUDIST COLONY OF THE DEAD hinterherzuschieben...
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buxtebrawler
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Re: Meine Mutter ist ein Werwolf - Michael Fischa (1989)

Beitrag von buxtebrawler »

Salvatore Baccaro hat geschrieben: Di 1. Jun 2021, 14:59 Zum Schluss meine liebste Szene: Stacey und Jennifer sitzen bei der Hellseherin. Stacey fragt, ob diese denn den Streifen BLOODY GYPSIES OF THE YUCCA FLATS gesehen habe, worauf die Wahrsagerin verneint. Jennifers Konter: "I thought you see everything!"
:lol:
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)
Diese Filme sind züchisch krank!
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Salvatore Baccaro
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Re: Meine Mutter ist ein Werwolf - Michael Fischa (1989)

Beitrag von Salvatore Baccaro »




"Die fetzige neuste amerikanische Komödie mit den total starken Gags. Eine haarsträubende Geschichte!"
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