Boogie Nights - Paul T. Anderson (1971)

Moderator: jogiwan

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Onkel Joe
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Boogie Nights - Paul T. Anderson (1971)

Beitrag von Onkel Joe »

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Originaltitel: Boogie Nights
Herstellungsland: USA/1997
Regie: Paul Thomas Anderson
Darsteller: Mark Wahlberg, Burt Reynolds, Julianne Moore, Don Cheadle, Heather Graham, John C. Reilly, Philip Seymour Hoffman, Luis Guzmán und Alfred Molina.

Story: Der unscheinbare Eddie Adams hat es mit seinen 17 Jahren noch nicht weit gebracht. Er jobbt als Tellerwäscher in einem Nachtlokal. Doch gerade dort beginnt seine steile Karriere. Pornofilmer Jack Horner entdeckt ihn dort. Eddie ist nicht nur bestens ausgestattet für seine neue Laufbahn, sondern besitzt auch die nötige Triebkraft. Eddie Adams wird zum Porno-Star Dirk Diggler.
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Arkadin
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Re: Boogie Nights - Paul T. Anderson

Beitrag von Arkadin »

Wenn man Christian Keßlers Interviews in "Die läufige Leinwand" Glauben schenken darf, dann finden den die "Dabeigewesenen" aus der Zet ja richtig schlecht und total unrealistisch.

Scherrt mich aber nicht, weil ich den Film zutiefst liebe. Don Cheadle als schwarzer Country-Fan. John C. Reilly, Julianne Moore, Heather Graham, Burt Reynolds! Allein die Szene mit dem durchgeknallten Alfred Molina ist unbezahlbar. Oder wenn William H. Macy seine untreue Frau (Nina Hartley!) zur Hölle schickt. Oder wenn Philipp Seymour Hoffmann Mark Wahlberg seine Liebe zeigen will. Oder, oder, oder... ein Film wie ein Sack Gold.
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Onkel Joe
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Re: Boogie Nights - Paul T. Anderson

Beitrag von Onkel Joe »

So schauts aus Arkadin, der Film kann was und steht auch in meinen gunsten sehr weit oben :prost: .
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Jeroen
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Re: Boogie Nights - Paul T. Anderson

Beitrag von Jeroen »

Oh ja, Boogie Nights finde ich auch richtig großartig. Der Film ist klasse besetzt und einfach herrlich gefilmt. Fantastische Kameraarbeit, toller Soundtrack, super Seventies-Atmosphäre, es ist schon eine wahre Freude.

Dass die Darstellung der Zeit den tatsächlich dabeigewesenen Akteuren nicht wirklich schmeckt, kann ich aber gut verstehen. Das Bild, das diese Personen in den Interviews in Kesslers Buch von der Ära zeichnen, ist ja durchweg ein ungleich positiveres. In sofern ist es schon schade, dass Arbeit und Wirken dieser Leute mal wieder ziemlich negativ dargestellt wird.

Man sollte nicht glauben, dass er die damalige Realität akkurat widerspiegelt. Aber er schafft, inspiriert von der Aufbruchstimmung und Abenteuerlust der Akteure und den irrwitzigen Produktionsumständen sowie vom Seventies-Zeitgeist im Allgemeinen, ein faszinierendes, schillerndes Setting für seine Geschichte. Da wird dann vieles dramatisiert, zugespitzt, verdichtet.

In sofern würde ich sagen, ist Boogie Nights eigentlich ein Exploitationfilm im Hochglanz-Gewand. Er nimmt ein interessantes Setting und erzählt eine zwar irgendwie von der Wahrheit inspiererte (Stichwort Wonderland Murders), aber gemessen an der Realität übertrieben dramatisierte Geschichte. Das hat nichts mit Trash zu tun, ich meine das im bestmöglichen Sinne. Wie gesagt, ein klasse Film, da kann man schonmal 9 von 10 Punkten zücken.
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Adalmar
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Re: Boogie Nights - Paul T. Anderson

Beitrag von Adalmar »

Eine ältere Kurzrezension von mir:

Ein unterhaltsames Zeitgemälde, das für mich aber inhaltlich zu wenig bietet, um als wegweisend, als Meisterwerk usw. verstanden zu werden. Eine typische Aufstieg-und-Fall-Geschichte, die zuerst ein buntes Märchenparadies innerhalb der 70er-Porno-Szene malt (mit nur gelegentlichen negativen Akzenten wie Zusammenbrüchen durch Kokain-Überdosis), um dieses dann ziemlich plötzlich und etwas unmotiviert zu zertrümmern: In recht rascher Folge wird Dirk Diggler (Mark Wahlberg) als absolut omnipotenter (haha) Pornostar präsentiert, um auf einmal impotent zu werden, sich mit seinem Chef zu verkrachen und schon kurz darauf zum allerletzten Stricher verkommen zu sein. Das ging mir einfach viel zu schnell und wirkte doch recht schematisch. Auch wirken einige Szenen in der zweiten Hälfte so, als hätte Anderson jetzt auf Teufel komm raus blutige Gewalt einbauen wollen, wie etwa in der extrem unrealistischen Donutladen-Schießerei oder beim Zusammenschlagen des Spontan-Akteurs in der Limousine. Was mich doch sehr interessiert hätte, nämlich wie Porno-Produzent Jack Horner (Burt Reynolds hat mir sehr in der Rolle gefallen) mit dem Wechsel vom Kino zum Video als Medium der Branche zurechtkommen würde, verlief leider im Sande. Das wurde zunächst als großes Problem aufgebaut, später erfuhr man nur nebenbei, dass jetzt auf Video gedreht wird. Auch das doch im ganzen etwas moralinsaure ständige Verbinden von Porno und Kriminalität fand ich recht aufdringlich und hätte ich gerade hier nicht in dieser platten Form erwartet. Die regelmäßig in Nahaufnahme Koks schniefenden Nasen gingen mir irgendwann doch etwas auf die Nerven - Herr Anderson, ich hab's schon verstanden. Zugute halten will ich dem Film aber, dass er über seine üppige Laufzeit Langeweile vermeidet, wenn auch unter anderem durch etwas selbstzweckhaft wirkende Gewaltszenen. 6/10
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CamperVan.Helsing
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Re: Boogie Nights - Paul T. Anderson

Beitrag von CamperVan.Helsing »

Adalmar hat geschrieben: Mi 20. Jun 2012, 12:28 Was mich doch sehr interessiert hätte, nämlich wie Porno-Produzent Jack Horner (Burt Reynolds hat mir sehr in der Rolle gefallen) mit dem Wechsel vom Kino zum Video als Medium der Branche zurechtkommen würde, verlief leider im Sande. Das wurde zunächst als großes Problem aufgebaut, später erfuhr man nur nebenbei, dass jetzt auf Video gedreht wird.
Es wurde doch thematisiert, und dies kurz, aber deutlich und schmerzhaft. Jack Horner wurde ja dargestellt, als jemand, der sich für einen "echten" Filmregisseur hält, nur halt im Bereich des adult entertainment. Und dann sehen wir Jack Horner im Videozeitalter, er fährt mit dem Rollergirl in seiner Limousine durch die Stadt, gabelt am Straßenrand einen Typen auf und will dann mit der Videokamera draufhalten, wenn der Typ es mit Rollergirl treibt. Deutlicher kann man den Verlust von Horners Idealen doch gar nicht darstellen, nichts ist von Ihnen geblieben.

Ich sehe in "Boogie Nights" die Darstellung einiger Menschen im Porn-Biz, die durch den zeitweiligen Erfolg der späten 70er in einer Art Blase leben können, und in der die selbstverständlich vorhandenen individuellen Probleme ausgeblendet werden. Dann erfolgt der Durchbruch des Videoformats, und genau wie die Budgets einbrechen, stürzen auch die Scheinexistenzen ein.

Nina Hartleys Rolle wurde ja schon erwähnt, und die Familienrichterin wurde gegeben von Veronica Hart.

Ein wahrlich gelungenes Werk.



PS: Angeblich soll ja John Holmes Pate gestanden haben für die Figur des Dirk Diggler. Daher nutze ich die Chance, hier darauf hinzuweisen, dass Holmes und Leslie Bovee 1977 die Hauptrollen in einem Remake von Billy Wilders "Frau ohne Gewissen" innehatten. Die Handlung wurde ins sonnige Hawaii verlegt, der Schluss abgeändert und die körperlichen Attribute standen hier noch mehr im Fokus als bei Wilder, aber ansonsten tauchen alle wesentlichen Punkte des Originals hier auf. Bloß: Wer würde John Holmes abnehmen, ein Versicherungsvertreter zu sein? :kicher: Ich bin gespannt auf den Kurzkommentar von Blap.

https://www.ofdb.de/film/195140,Eruption

https://www.imdb.com/title/tt0124491/
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Blap
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Re: Boogie Nights - Paul T. Anderson

Beitrag von Blap »

ugo-piazza hat geschrieben: So 6. Jun 2021, 19:53 Bloß: Wer würde John Holmes abnehmen, ein Versicherungsvertreter zu sein? :kicher: Ich bin gespannt auf den Kurzkommentar von Blap.

https://www.ofdb.de/film/195140,Eruption

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Ah, der gute Stoff aus dem Wichtelpaket. Liegt schon seit einiger Zeit auf dem Stapel der Gelüste ...
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CamperVan.Helsing
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Re: Boogie Nights - Paul T. Anderson

Beitrag von CamperVan.Helsing »

Blap hat geschrieben: Mo 7. Jun 2021, 09:45
ugo-piazza hat geschrieben: So 6. Jun 2021, 19:53 Bloß: Wer würde John Holmes abnehmen, ein Versicherungsvertreter zu sein? :kicher: Ich bin gespannt auf den Kurzkommentar von Blap.

https://www.ofdb.de/film/195140,Eruption

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Ah, der gute Stoff aus dem Wichtelpaket. Liegt schon seit einiger Zeit auf dem Stapel der Gelüste ...
Ja, ich merke schon: "Das Blap™ behandelt Filme wie Frauen"

:lol:
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Re: Boogie Nights - Paul T. Anderson (1971)

Beitrag von Blap »

:lol: :mrgreen: :D
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